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Ob Privatisierung, Entmietung, Verdrängung, Luxussanierung oder vermehrte Spekulation mit Wohnraum – all das sind momentan zunehmend Symptome einer kapitalistischen Organisation von Wohnen. In Folge dessen sollen Mieter*innen Luxussanierungen weichen, weil sie nicht profitabel für Investoren sind, wie auch in folgendem Beispiel deutlich wird.

Seit den 90er Jahren ist das Ziel der Leipziger Wohnungspolitik, einen attraktiven Wohnungsmarkt zu etablieren. Dadurch steigen für Leipziger*Innen seit Jahren die Mieten – ihre Löhne hingegen nicht. Diese „attraktive“ Wohnungspolitik begünstigt allerdings nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und grenzt den anderen Teil systematisch aus. Dies führt sukzessive zu einer Problematisierung der Wohnsituationen Marginalisierter, Gering- oder Nichtverdienender sowie von Menschen, die keinen freien Zugang zum Wohnungsmarkt haben. Auch die Unterbringung von Geflüchteten ist an die Wohnungsmarktlogik gekoppelt.

In der Folge wird Menschen mit geringerem bzw. keinem Einkommen zunehmend die Möglichkeit genommen, selbstbestimmt Wohnraum zu mieten. Zudem haben circa ein Viertel der Leipziger*innen in den letzten Jahren Mieterhöhungen bekommen, deren Begründung nicht selten Modernisierungsmaßnahmen waren.

Seit über 14 Jahren wohnen und leben die Menschen in der Thierbacher Straße 6 und organisieren sich seit längerem als Hausgemeinschaft ohne das Haus selbst zu besitzen. Vielen Menschen ist Thierbacher Straße 6 in Connewitz ein Begriff, die hier vorherrschenden Probleme hingegen wahrscheinlich weniger. Schon länger interessiert den Vermieter das Haus und dessen Bewohner*Innen nicht, weshalb seit Jahren Instandhaltungsmaßnahmen und Wohnorganisation in den Händen der Mieter*innen liegt. Dies hat allerdings wenig damit zu tun, dass der Vermieter Interesse an selbstbestimmtem bzw. selbstverwalteten Wohnen hat, da keine Kooperation besteht und er bewusst anfallende Kosten auf die Mieter*Innen abwälzt.

Ab 2013 erhielten alle Hausbewohner*innen eine erste, jedoch sich im Nachhinein als ungültig herausstellende Modernisierungsankündigung. Daraufhin folgte 2014 eine Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen, welche so in Leipzig nicht durchsetzbar ist. Aktuell, im März 2016, ereilte uns nun die zweite Modernisierungsankündigung mit konkreten Baumaßnahmen und Mieterhöhung.

Parallel hierzu organisierte sich die Hausgemeinschaft und offerierte dem Besitzer des Hauses im Frühjahr 2015 ein Kaufangebot, was jedoch ohne Resonanz blieb. Auch auf weitere Anfragen bzgl. des Angebotes blieb jegliche Rückmeldung aus.

Der Besitzer des Hauses kümmert sich seit Jahren nicht um das Haus und kommuniziert der verantwortlichen Hausverwaltung eine Finanzierungssperre für jegliche Mängel und Schäden, die im Haus anfallen. In Folge dessen hat bspw. eine 5-köpfige Familie seit Wochen kein warmes Wasser, ein Bad ist seit 1,5 Jahren aufgrund von Baumängeln nicht mehr nutz- und begehbar,  es gibt keine Kellerfenster, die Schornsteine sind marode und können nicht mehr begangen werden. Um nur einige eklatante Probleme zu nennen….

Die Modernisierungsankündigung beinhaltet lediglich eine Sanierung der Fassade des Hauses, des Daches, der Fenster, inklusive neuer Balkone. Die Behebung der oben erwähnten und dringenden Probleme ist keineswegs im Interesse des Hauseigentümers. Das finanzielle Resultat daraus ist eine pauschale Mieterhöhung von 530€ pro Wohnung, was absolut untragbar für die darin lebenden Menschen ist!

Daher möchten wir als weiteres Beispiel unsere Situation an die Öffentlichkeit tragen, um uns mit Menschen, die von ähnlichen Praktiken betroffen sind zu solidarisieren, um schlichtweg auf unsere Situation aufmerksam zu machen, Informationen zu teilen und um unseren Wohnraum zu schützen, denn bezahlbares und selbstbestimmtes Wohnen ist ein Recht und kein Rohstoff für Spekulation.

Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit streben wir die Vernetzung von derzeitig und zukünftig betroffenen Projekten an sowie mit Menschen, die sich mit uns solidarisieren und für soziale Freiräume jeglicher Art kämpfen möchten!

Entmietung betrifft uns alle, auch wenn es für viele Betroffene ein noch unsichtbares Phänomen ist! Stadt für alle! Gegen einen kapitalistischen Wohnungsmarkt!